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Institut für Theaterwissenschaft

On the move: Neue Konzepte im zeitgenössischen Tanz

Veranstaltungsdaten: 
Freitag 10-16 (Termine: 07.10., 11.11., 25.11., 09.12.2011), 2 SWS, 5/3 ECTS-Punkte
Beschreibung: 

Lic. phil. Julia Wehren On the move: Choreographische Konzepte von Rückbezüglichkeit im zeitgenössischen Tanz

Zitate, Kopien und Parodien gehören zu den paradigmatischen Formen der Kunst in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Tanz hingegen taucht das Prinzip der Wiederholung erst in den 1990er Jahren auf, und zwar unter anderen Vorzeichen und in spezifisch choreographisch-szenischen Ausprägungen. Seither wird in zahlreichen Tanzstücken mittels Bezugnahmen auf historische Phänomene (Ereignisse, Stücke, Techniken bzw. Methoden, Schulen und Stile) am und mit dem Körper über Tanz und dessen Geschichte nachgedacht. In hybriden Formaten wie der Lecture Performancy, in Reenactments oder in biographischen Inszenierungen verhandeln die Choreograph/innen auf der Bühne Strategien der Aneignung von Tanz, thematisieren Formen und Möglichkeiten der Erinnerung und Vermittlung und/oder stellen traditionelle Konzepte von Tanz grundsätzlich zur Diskussion. In dem Blockkurs sollen verschiedene solche Verfahren herausgearbeitet und im Hinblick auf den Umgang mit und die Haltung zu Tradition in der künstlerischen Praxis befragt werden. Als Beispiele vorgesehen sind Arbeiten von Foofwa d’Imobilité, Boris Charmatz, Jérôme Bel und Olga de Soto.

Constanze Schellow, M.A. On the move: Neue Konzepte von Bewegung im zeitgenössischen Tanz

Im Jahr 2002 verklagt ein Zuschauer das International Dance Festival Ireland auf Vertragsbruch und 38.000 Euro Schadenersatz, weil es ihm ein Ticket für ein Tanzstück verkauft habe, das gar kein Tanzstück sei: die Performance Jérôme Bel von Jérôme Bel. Der Irish Times erklärt der (am Ende erfolglose) Kläger auf Nachfrage bereitwillig, was Tanz ist, nämlich „people moving rhythmically, jumping up and down, usually to music but not always.” Legt man diese Definition zu Grunde, disqualifiziert sich eine Vielzahl zeitgenössischer Choreographien heute selbst als Tanz, da auf den ersten Blick nicht unbedingt mit im traditionellen Sinn ‚tänzerischer’ Bewegung gearbeitet wird. Aber bedeutet das, dass Tanz sich nicht mehr für Bewegung interessiert?

Im Gegenteil, so die Tanzwissenschaftlerin Pirkko Husemann: Es sind vielmehr der Ort und die Ebene von Bewegung im Tanz, die sich verschoben und vervielfältigt haben. Physikalisch bestimmt als ‚Veränderung in Raum und Zeit’, heißt Bewegung eben nicht nur „jumping up and down“: Gegenstände, Räume, Bedeutungen, Sehgewohnheiten oder Machtverhältnisse können in Bewegung geraten. Viele zeitgenössische Tanzstücke arbeiten an der Anregung und Gestaltung solcher Prozesse. Das Seminar führt in aktuelle Tendenzen des zeitgenössischen Tanzes ein und fragt dabei nach den anderen Orten der Bewegung in Stücken u.a. von Antonia Baehr, Eszter Salamon, Thomas Lehmen, Boris Charmatz, Mette Ingvartsen, Xavier Le Roy und Jérôme Bel, die mit ausgewählten theoretischen Texten in Beziehung gesetzt werden. Lektüre von Texten u.a. von André Lepecki, Pirkko Husemann, Petra Sabisch, Christina Thurner, Nikolas Bourriaud, Irit Rogoff, Jacques Rancière. Studienleistung: Vorbereitung, Präsentation, Diskussionsleitung zu je einer Aufführung (DVD) und einem theoretischen Text; je nach Teilnehmerzahl beides in kleinen Arbeitsgruppen.

Literatur: 

Brandstetter, Gabriele: Tanzen Zeigen. Lecture-Performance im Tanz seit den 1990er Jahren, in: Bischof, Margrit; Rosiny, Claudia (Hg.): Konzepte der Tanzkultur. Wissen und Wege der Tanzforschung, Bielefeld 2010, S. 45-61. Husemann, Pirkko: Ceci est de la danse. Choreographien von Meg Stuart, Xavier Le Roy und Jérôme Bel. Norderstedt 2002. Lepecki, André: Exhausting Dance. Performance and the Politics of Movement. New York 2006. Lütticken, Sven; Allen, Jennifer: Life: Once More. Forms of Reenactment in Contemporary Art, Rotterdam 2005. Thurner, Christina: Beredte Körper – bewegte Seelen. Zum Diskurs der doppelten Bewegung in Tanztexten. Bielefeld 2009.

Hinweise: 

Welche der beiden folgenden Varianten durchgeführt wird, hängt von Stipendienentscheiden ab und wird so bald wie möglich auf der Homepage kommuniziert.

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