Ist Theaterwissenschaft als Kulturwissenschaft in einer wesentlichen fachlichen Dimension bestimmt, so wird, gerade vor dem Hintergrund grundlegender, medial motivierter Umbrüche des sozio-kulturellen, politisch-ästhetischen und auch wahrnehmungsökonomischen Feldes, jene Ausprägung des Faches gefordert, welche die Theaterwissenschaft als Medienwissenschaft qualifiziert. Indes bleibt streitbar, ob Theater respektive theatrale Vorgänge und Wahrnehmungen überhaupt im Rahmen eines adäquaten Begriffs des Medialen besprochen und theoretisiert werden können – reicht doch das Auslegungsspektrum von Formeln wie Theater ist kein Medium, über Theater als Multi-Medium, über Theater als Medienverbund bis hin zu Erörterungen, die Theatralität als Medium zu theoretisieren suchen. Im Seminar werden daher grundlegende theaterästhetische und medientheoretische Texte behandelt, die Aufschluss darüber geben sollen, wie das Ineinandergreifen von Bewegungsabläufen, Zeichenproduktionen und Wahrnehmungsvollzügen mit medialisierten Theatralitätsformen sowie theatralisierten Mediengeflechten in Zusammenhang steht. Ferner sollen die behandelten Schriften dazu beitragen, ein grundlegendes methodisches Instrumentarium zu entwickeln, das Wahrnehmungsformen des Theatralen sowie Theatralisierungen der medialen Sphäre benennbar und unterscheidbar macht. Wenn es sich bei theatral-medialen Mischszenarien idealiter um 'autopoietische Feedbackschleifen' handelt, wobei allein mittels dieses Vokabulars der mediale Charakter des Theatralen angeschrieben scheint, dann bliebe zu fragen: Was wird in solch angeblich selbsterzeugenden Rückkopplungszyklen iteriert, wenn es um die Wahrnehmung von Theatralität als Eigenschaft geht und wenn ferner auf die Produktion von Theatralität durch die Wahrnehmungsakte von Rezipientensubjekten abgestellt wird?
Im ersten Block des Seminars sollen diese Fragestellungen auf Ästhetiken der historischen Avantgarde sowie der Neo-Avantgarde bezogen werden. Der zweite Teil hingegen widmet sich apparativ-technischen Szenarien des Medialen von der Photographie, dem Telefon, dem Fernsehen bis hin zum Computerspiel. Dabei wird nicht nur der Weg von der partizipativen zur interaktiven Kunst skizziert, sondern auch der Wandel des passiven Rezipienten zum Nutzer in verhaltensökonomischer Hinsicht nachvollzogen.
Anmeldung im ePUB/ePhi bis am 21. Februar 2010!