Das ‚lange’ 19. Jahrhundert stellt für die Geschichtsschreibung eine besondere Herausforderung dar: Auf der einen Seite erscheint es als ein überlanger Zeitraum, der die gesamte Modernisierungsphase der europäischen Gesellschaften bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs umfasst, auf der anderen Seite handelt es sich um einen so heterogenen und widersprüchlichen Zeitraum, dass eine vereinheitlichende Periodisierung kaum möglich erscheint. Für die Theatergeschichte gilt das 19. Jahrhundert als eine Epoche der Kommerzialisierung und des Epigonentums, die vor allem als Kontrast für die Bewegungen der Moderne genutzt wird. Die Vorlesung wird versuchen, dieses Paradigma aufzubrechen, um stattdessen zu zeigen, wie das Theater Spiegel und Katalysator dieser Modernisierungsprozesse war. Gleichzeitig ist eine solche Betrachtung nur in einem komparatistischen Blickwinkel möglich.
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