Zur europäischen Theaterlandschaft vom ausgehenden 16. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts gehörten neben der Commedia dell’Arte noch eine Reihe weiterer konkurrierender Theaterformen. Den Mysterien und dem Fastnachtsspiel folgten protestantisches Schultheater und katholisches Ordenstheater, insbesondere das Jesuitentheater. Wanderbühnen boten Haupt- und Staatsaktionen. Im höfischen Barocktheater triumphierten Oper, Ballett, Singspiel und Schäferspiel, im Prunk der Ausstattung oftmals noch übertroffen durch Ein- und Umzüge, Maskenbälle und Illuminationen. Der Kampf um „regelmässige“ Dramen, Komödien und Tragödien, wurde entfacht gegen ein Theater der Szenarien und der Improvisation. Die simultanen Flächen- und Raumbühnen wichen den neutralen Sukzessionsbühnen, die perspektivische Bildbühne der Renaissance wurde ersetzt durch Telarien, diese schliesslich durch Kulissen. Die Vorlesung versucht, der Vielfalt von Theater zur Zeit des Barock gerecht zu werden.
Literatur:
Baur-Heinhold, Margarete: Theater des Barock. München 1966.
Devrient, Eduard: Geschichte der deutschen Schauspielkunst. [1848] 2 Bde., Berlin 1967.
Eberle, Oskar: Theatergeschichte der innern Schweiz. Königsberg 1929.
Flemming, Willi: Geschichte des Jesuitentheaters in den Landen deutscher Zunge. (Schriften der Gesellschaft für Theatergeschichte, 32) Berlin 1923.
Hadamowsky, Franz: Barocktheater am Wiener Kaiserhof. Wien 1955.
Ingegneri, Angelo: „Über die Kunst, Bühnenstücke darzustellen.“ [1598] In: Maske und Kothurn, Wien 5/1959.
Kohler, Erika: Martin Luther und der Festbrauch. Köln, Graz 1959.
Kotte, Andreas (Hrsg.): Sondierungen zum Theater. (Theatrum Helveticum, 1) Basel 1995.
Rudin, Alexander: Franciscus Lang. Dissertatio de actione scenica. [1727] Bern, München 1975.
Szarota, Elida Maria: Das Jesuitendrama im deutschen Sprachgebiet. Eine Periochen-Edition. 7 Bde., München 1979–1987.
Szarota, Elida Maria: Geschichte, Politik und Gesellschaft im Drama des 17. Jahrhunderts. Bern, München 1976.
Wanderbühne. Theaterkunst als fahrendes Gewerbe. Hrsg. von der Gesellschaft für Theatergeschichte (Kleine Schriften, 34/35), Berlin 1988.
Am Donnerstag findet neu im Seminarraum 204 in der Hallerstrasse 5 von 12.00 - 14.00 das begleitende Tutorium zur Vorlesung "Commedia dell' Arte - Europäische Theatergeschichte 4" von Prof. Dr. Andreas Kotte statt. Das Tutorium beginnt am 25. September und wird von Gisela Nyfeler durchgeführt.
Montag 14-16 (Beginn: 22.09.2008, Ende: 15.12.2008), 2 SWS, 6/7 ECTS-Punkte (für Studierende Ma und Liz/HS). Ort: Uni-S, Schanzeneckstr. 1, A 301.
Beschreibung:
In ‚Zur Philosophie der Kultur’ (1911) schreibt Georg Simmel, „daß die Frau [...] mit ihren künstlerischen Leistungen gerade da versagt, wo die strenge Geschlossenheit der Form prävaliert: im Drama“. Das hier diagnostizierte weibliche Versagen korrespondiert mit dem Fehlen von Dramatikerinnen und ihren Werken in einschlägigen Dramengeschichten. Gegen eine solche Nichtbeachtung und Missachtung wiederum sprechen aber etwa die verschiedentlich hervorgehobenen Verdienste von Luise A. V. Gottsched um die deutsche Komödie, die Aufführungsstatistiken der Stücke von Charlotte Birch-Pfeiffer, die Feststellung eines Kritikers der Weimarer Republik (Hans Kafka), „eine Phalanx [...] wirksamer Dramatikerinnen“ erobere die Bühne „mit neuen Themen und Formen“, oder die Verleihung des Nobelpreises an Elfriede Jelinek. In diesem Seminar sollen ausgewählte Werke von deutschsprachigen Dramatikerinnen (vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart) in den Blick genommen und unter verschiedenen Aspekten analysiert werden: Gattungspoetologische Fragen werden ebenso diskutiert wie aufführungs- und gendertheoretische, Strukturanalogien zwischen Texten und gesellschaftlichen Erscheinungsformen gilt es zu untersuchen wie auch paradigmatische Themen, den spezifischen Sprachgebrauch und Aufbau der Dramen. Dabei soll – rekurrierend auf Simmels Kritik und Kafkas Feststellung – insbesondere überprüft werden, inwiefern gerade in Umbruchzeiten Dramatikerinnen vermehrt hervortreten, die sich kanonischen Themen sowie strengen, geschlossenen Formen verweigern beziehungsweise diese aufsprengen.
Neben der Lektüre und Diskussion der Texte sollen Aufzeichnungen von Vorstellungen sowie – je nach Angebot – aktuelle Aufführungen besprochen werden.
Literatur:
Ein Ordner mit zusätzlichen ausgewählten Texten wird zu Beginn der Veranstaltung bereitstehen.
Fleisser, Marieluise: „Fegefeuer in Ingolstadt.“ In: dies.: Ingolstädter Stücke. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1977, S. 7-70.
Gottsched, Luise Adelgunde Victorie: Die Pietisterey im Fischbein-Rocke. Stuttgart: Reclam 2003.
Jelinek, Elfriede: „Der Tod und das Mädchen IV (Jackie).“ In: dies.: Der Tod und das Mädchen I-V. Prinzessinnendramen. Berlin: Berliner Taschenbuch Verlag 2003.
Lasker-Schüler, Else: Die Wupper. Stuttgart: Reclam 1977.
Weitere Dramen je nach Angebot der aktuellen Spielpläne.
Termine: 30. September/7. Oktober/21.Oktober/28.Oktober/9.Dezember/16.Dezember, jeweils 14-18.30 Uhr, 2 SWS, 6/7 ECTS-Punkte (für Studierende Ma und Liz/HS). Ort: Uni-S, Schanzeneckstr. 1, A 301.
Beschreibung:
Seit den 1970er Jahren wird die europäische Theaterlandschaft maßgeblich von Künstlern geprägt, die unabhängig vom Stadt- und Repertoiretheater ihre eigenen Theatersprachen und Ästhetiken entwickeln. Sechs ausgewählte Inszenierungen von wichtigen Gruppen und Künstlern, die das Theatergeschehen und das Nachdenken über Theater in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich geprägt haben, sollen im Seminar visioniert und diskutiert werden.
Die Studierenden sollen zum einen wichtige Inszenierungen und die verschiedenen Ästhetiken einzelner Gruppen kennenlernen und ihre Stilmittel beschreiben lernen. Zum anderen sollen anhand der den Beispielen zugeordneten Texte theoretische Fragestellungen (Szenographie, Spielhaltungen, Dramaturgie, Theatersituation) erörtert werden, die für ein zeitgenössisches Theaterschaffen nach wie vor relevant sind.
Folgende Inszenierungen sollen behandelt werden (Ergänzungen sowie Änderungen, je nach Filmmaterial, sind möglich!):
Performance Group (Regie: Richard Schechner): Dionysos in ´69
The Wooster Group (Regie: Elizabeth Le Compte): House Lights
Robert Wilson, CivilWars (Kölner Teil)
Needcompany (Regie: Jan Lauwers), Macbeth
Pina Bausch, 1980
Jan Fabre: Die Macht der theaterlichen Torheiten
Hinweise:
Das Seminar findet in Zusammenarbeit mit dem MA-Studiengang „Performative Künste“ der HKB Bern statt.
Anmeldung im ePUB/ePhi bis am 14. September 2008!
Die Entwicklungen des Theaters im 19. Jahrhundert bedeuteten für die österreichische Theaterlandschaft einschneidende Veränderungen, die bis heute das Theater im deutschsprachigen Raum prägen. Zensur, Sprachkritik, Parodie und die sich neu entwickelnde Stadttheater-Kultur prägten das Theater des 19. Jahrhunderts entscheidend.
Anhand der drei Exponenten des österreichischen Theaters, Franz Grillparzer, Johann Nestroy und Ferdinand Raimund, wird die Geschichte des österreichischen bzw. Wiener Theaters und ihrer Auswirkungen beleuchtet. Ebenso wird das Spannungsfeld zwischen dramatischer Produktion und ihrer Darstellung im Seminar behandelt. Das bietet sich besonders an, da etwa Raimund neben seiner Tätigkeit als Dramatiker auch Schauspieler und Regisseur war und seine Tagebuchaufzeichnungen sowohl über sozioökonomische Bedingungen als auch Spielpraxis Auskunft geben. Dasselbe gilt für Nestroys Biographie und Werk, er war Schauspieler, Dramatiker, Regisseur und Theaterdirektor. Entsprechend wird im Seminar die Beziehung zwischen dem Wiener Theater und dem gesellschaftlichen Umfeld in seinem historisch-politischen Kontext situiert.
Die genannten Schwerpunkte werden anhand von Originalmanuskripten (die in Kopie zur Verfügung gestellt werden) überprüft und diskutiert.
Literatur:
Ein Ordner mit ausgewählten Texten wird zu Beginn der Veranstaltung bereitstehen.
Nestroy, Johann: Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. 54 Bände. Hrsg. von Jürgen Hein, Johann Hüttner, Walter Obermaier und W. Edgar Yates. Wien 1979–2008.
Dürhammer, Ilija / Janke, Pia (Hg.): Raimund. Nestroy. Grillparzer – Witz und Lebensangst. Wien 2001.
Scheit, Gerhard: Franz Grillparzer. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek bei Hamburg 1989.
Danielczyk, Julia / Dembski, Ulrike / Mühlegger-Henhapel, Christiane (Hg.): Nestroy – Weder Lorbeerbaum noch Bettelstab. Wien 2000.
Haider-Pregler, Hilde / Deutsch-Schreiner, Evelyn (Hg.): "Stichwort Grillparzer". Wien 1994.
Wagner, Renate: Ferdinand Raimund. Eine Biographie. Wien 1985.
Yates, W. Edgar / Tanzer, Ulrike (Hg.): Theater und Gesellschaft im Wien des 19. Jahrhunderts. Wien: Lehner 2006 (= Quodlibet, Band 8).
Porrmann, Maria / Vaßen, Florian (Hg.): Theaterverhältnisse im Vormärz. Bielefeld 2002.
Ausgehend von einer historisierend-kritischen Betrachtung des Opernbegriffs widmet sich das Seminar der gemeinsamen Geschichte von Commedia all’improvviso und Oper, der „two most typical forms of Italian theater“ (Nino Pirrotta), von der Mitte des 16. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Dabei soll Oper als ein Teil von Theatergeschichte begriffen und auf der methodischen Basis von Theatergefügen ins Verhältnis zur Commedia all’improvviso gesetzt werden. Es werden ebenso die vermeintlichen „Vorläufer“ der Oper angesprochen wie Madrigalkomödie oder die Intermedien beim Florentiner Hoffest 1589 wie der Übergang der Wahnsinnszene von den virtuosen Darbietungen der Commedia all’improvviso zur venezianischen Oper. Weitere Schwerpunkte des Seminars bilden die Opernparodien des Ancien und Nouveau Théâtre Italien sowie die Opern/Singspiel-Experimente des Wiener Schauspielers und Impresarios Joseph Felix von Kurz-Bernardon.
Literatur:
Ein Ordner mit ausgewählten Texten steht zu Beginn der Veranstaltung bereit.
Pirrotta, Nino: „Commedia dell’Arte and Opera.“ In: The Musical Quarterly, 61. Jg. (1955), S. 305 - 324.
Charton, Anke: „Ich wollt’, ich wär’ ein Mädchen!“ Genderverkehrung in der Oper zwischen Strukturfigur und Travestie.“ In: Haider-Pregler, Hilde et al. (Hg.): Komik. * Ästhetik – Theorien – Strategien. (Maske und Kothurn; Bd. 51,4). Wien 2006, S. 392 - 400.
Montag 10-12 (Beginn: 22.09.2008, Ende: 15.12.2008), 2 SWS, 3 ECTS-Punkte (für Studierende Ba, Ma und Liz). Ort: Hauptgebäude, HS 220.
Beschreibung:
Die Vorlesung verfolgt den Weg der Commedia dell’Arte durch Europa. Beginnend im Italien des 16. Jahrhunderts werden ihre Wandlungen und ihre Spezifika erörtert. Welche Unterschiede zu anderen Theaterformen wie der florentinischen Sacra Rappresentazione, der frühen Oper oder der Commedia erudita lassen sich feststellen? Welche Bühnen wurden bevorzugt? Welche Organisationsformen der Berufsschauspieler lassen sich nachweisen? Wie geschah die Assimilation des Arlequin in Paris? Wie wirkte die Comédie italienne auf die italienische Theaterlandschaft zurück? Warum kam es in Wien zu einer weiteren „Geburt“ der Commedia dell’arte? Im Kontext des geistlichen, höfischen und des Humanistentheaters der Renaissance soll die Frage geklärt werden, warum das Theater schlechthin als ein „spätes Kind“ der Renaissance bezeichnet werden muss. Am Ende steht die Frage nach dem Zusammenwirken aller Komponenten, die die Theatralität einer Zeitspanne oder Epoche ausmachen: Kann die Theatralität der Renaissance erschlossen werden aus dem Beziehungsgeflecht zwischen unterschiedlichen Theaterformen, der Theatralisierung des Lebens, der gegen Theater gerichteten Konzepte und der diese drei Bereiche hinterfragenden Commedia dell’arte?
Literatur:
Apollonio, Mario: La commedia dell'arte. Rom/Milano 1930.
Attinger, Gustave: L'ésprit de la Commedia dell'arte dans le théâtre français. Paris/Neuchâtel 1950.
Beijer, Agne: Recueil de plusieurs fragments des premières comédies italiennes qui ont été représentées en France sous le règne de Henri III. (sg. Le Recueil Fossard) Paris 1928.
Birbaumer, Ulf: Das Werk des Joseph Felix von Kurz-Bernardon und seine szenische Realisierung. Versuch einer Genealogie und Dramaturgie der Bernardoniade. Phil. Diss. Wien 1969.
Driesen, Otto: Ursprung des Harlekin. Ein kulturgeschichtliches Problem. Berlin 1904.
Duchartre, Pierre-Louis: La commedia dell'arte et ses enfants. Paris 1955.
Gherardi, Evaristo: Le théâtre italien de Gherardi ou le recueil général. Amsterdam 1721, Paris 1741.
Hansen, Günther: Formen der Commedia dell'arte in Deutschland (Habil. Schrift Köln 1968) Hrsg. von H. G. Asper. Emsdetten 1984.
Hinck, Walter: Das deutsche Lustspiel des 17. und 18. Jahrhunderts und die italienische Komödie. Commedia dell'arte und Théâtre Italien. Stuttgart 1965.
Hohenemser, Herbert: Pulcinella, Harlekin, Hanswurst. Ein Versuch über den zeitbeständigen Typus des Narren auf der Bühne. (Die Schaubühne, 33) Emsdetten 1940.
Hulfeld, Stefan: Theatergeschichtsschreibung als kulturelle Praxis: Wie Wissen über Theater entsteht. Materialien des ITW Bern 8. Zürich 2007.
Jonard, Norbert: La Commedia dell'arte. Lyon 1982.
Kotte, Andreas / Hulfeld, Stefan: „Ein Buch mit fünf Siegeln: Überlegungen zum Bildcodex Ms. 180 der Spencer Collection.“ In: Stolz, Michael / Mettauer, Adrian (Hg.): Buchkultur im Mittelalter. Berlin, New York 2006, S. 295–312.
Krömer, Wolfram: Die italienische Commedia dell'arte. (Erträge der Forschung, 62) Darmstadt 1976.
Möser, Justus: Harlekin oder Vertheidigung des Groteske-Komischen. Bremen 17772.
Münz, Rudolf: Das „andere“ Theater. Studien über ein deutschsprachiges teatro dell'arte der Lessingzeit. Berlin 1979.
Neri, Ferdinando: Scenari delle Maschere in Arcadia. Nachdruck der Ausgabe von Città di Castello 1913. (Documenti di storia letteraria italiana, 1) Torino 1961 (darin: Teil der Sammlung Casamarciano).
Nicolini, Fausto: Vita di Arlechino. Milano/Napoli 1958.
Pandolfi, Vito: La Commedia dell'arte. Storia e testo. 6 Bde. Florenz 1957-1961.
Ders.: Il teatro del Rinascimento e la commedia dell'arte. Roma 1969.
Riccoboni, Luigi: Histoire du théâtre italien depuis la décadence de la comédie latine avec une catalogue des tragédies et comédies italiennes imprimées depuis l'an 1500 jusqu'à l'an 1660. Paris 1728/30.
Rommel, Otto: Die Alt-Wiener Volkskomödie. Ihre Geschichte vom barocken Welttheater bis zum Tode Nestroys. Wien 1952.
Spoerri, Reinhart: Die Commedia dell'arte und ihre Figuren. Zürich 1963.
Toschi, Paolo: Le origini del teatro italiano. Milano 1955.
(Kritische Gesamtedition in ital. Sprache: Ingegneri, Angelo: Della poesia rappresentativa e del modo di rappresentare le favole sceniche. Hg. Von Maria Luisa Doglio. Modena 1989.)
Exkursion 10. bis 13. April 2008. Vor- und Nachbereitungssitzungen am 25.2., 31.3. und 28.4. jeweils von 18 - 20. 2 SWS, 3 ECTS-Punkte (für Studierende Ba, Ma und Liz), Ort: Oberitalien / Hauptgebäude, SR 114.
Beschreibung:
Als Übung zur Vorlesung „Theater in der Renaissance“ führt die Exkursion über das den Architekten der Renaissance als Studienobjekt dienende Amphitheatrum von Verona und das Teatro Scientifico Bibiena von Mantua (1769) zum Teatro Olimpico in Vicenza (1585), weiter zum Theater in der Idealstadt Sabbioneta (1590) und zum Teatro Farnese in Parma (1618/28). Letztere drei Theatergebäude können als Keimzellen der neuzeitlichen Theaterarchitektur gelten. In ihnen wird das produktive und folgenschwere Missverständnis sichtbar, das Theaterschaffende und Architekten bei ihrem Versuch, antike Verhältnisse wiederherzustellen, einholte. Und sie zeigen die Bühne als Weltersatz (anstelle von Weltwiedergabe) sowie die Transformation des Theaters von einem Ort des öffentlichen Lebens hin zu einem Ort der Repräsentation des Politischen. Eine detaillierte Ausschreibung der Exkursion wird Mitte Februar 2008 in der ersten Vorlesung kommuniziert. Die Lehrveranstaltung umfasst zwei obligatorische Vorbereitungs- und eine Nachbereitungssitzung à 2 Stunden. Es werden Arbeitsgruppen gebildet, die vor Ort die Theater in einem Kurzreferat vorstellen. Da Vorlesung und Exkursion ein Modul bilden, entbindet der Leistungsnachweis innerhalb der Übung vom Test in der Vorlesung.
Literatur:
Teatro: Eine Reise zu den oberitalienischen Theatern des 16.-19. Jahrhunderts. Jonas Verlag, Marburg 2001.
Hass, Ulrike: Das Drama des Sehens: Auge, Blick und Bühnenform. München 2005.
Deborre, Ingeborg: Palladios Teatro Olimpico in Vicenza. Die Inszenierung einer lokalen Aristokratie unter venezianischer Herrschaft. Marburg 1996.
Mazzoni, Stefano: L’Olimpico di Vicenza. Un teatro e la sua „perpetuo memoria". (Storia dello spettacolo: Saggi; 1) Florenz 1998.
Confurius, Gerrit: Sabbioneta oder die schöne Kunst der Stadtgründung. Frankfurt am Main 1991.
Capelli, Gianni: Il Teatro Farnese di Parma: Architettura, scene, spettacoli. Parma 1990.
Mazzoni, Stefano; Guaita, Ovidio: Il Teatro di Sabbioneta. (Teatro studi e testi; 2) Florenz 1985.
Ciancarelli, Roberto: Il progetto di una festa barocca. Alle origini del Teatro Farnese di Parma (1618-1629). (Biblioteca del Cinquecento; 35) Rom 1987.
Hinweise:
Die Kosten der Exkursion sind extrem abhängig von den Hotels und der Verkehrsvariante (2 Kleinbusse der Universität à 7 Personen; Zug/Bus oder aber Bus mit Fahrer). Sie betragen nach Teilnehmerzahl sFr. 400 bis 550. Nach der Exkursion können aus Staats- und Universitätsmitteln ca. sFr. 200.- rückvergütet werden. Mit der Anmeldung ist deshalb ein auf Ihr eigenes Konto lautender Einzahlungsschein einzureichen. Ohne Einzahlungsschein für die Rückvergütung ist die Anmeldung nicht gültig! Anmeldung im ePUB/ ePhi erst nach erfolgter Teilnahmebestätigung, spätestens bis 22. Februar 2008.
Termine:
- Anmeldung im Sekretariat: ab sofort bis 28. Januar 2008 (ausgefülltes Anmeldeformular und auf eigenes Konto lautender Einzahlungsschein)
- Eine Teilnahmebestätigung erhalten Sie per Email bis spätestens 19. Februar 2008
- Anmeldung im ePUB/ ePhi nach Teilnahmebestätigung bis 22. Februar 2008
- Nach Teilnahmebestätigung überweisen Sie den definitiven Betrag bis spätestens 7. März 2008
Teilnahmebedingungen:
1. Es können maximal 25 Personen an der Exkursion teilnehmen. Wenn mehr als 25 Anmeldungen vorliegen sollten, werden die Teilnehmenden nach Kriterien wie Major/Minor oder HF/NF bestimmt.
2. Einzahlung des definitiven Betrags bis zum 7. März 2008 (Einzahlungsscheine liegen den Anmeldungsformularen bei)
3. Bereitschaft zur Teilnahme an den 3 Vor- und Nachbereitungssitzungen in Bern
4. Bereitschaft, einen Leistungsnachweis zu erbringen.
Montag 10-12 (Beginn: 18.02.2008, Ende: 26.05.2008), 2 SWS, 3 ECTS-Punkte (für Studierende Ba, Ma und Liz), Ort: Chemie, Freie Strasse 3, HS 16 im Erdgeschoss.
Beschreibung:
Die Vorlesung situiert das geistliche, das höfische und das Humanistentheater der Renaissance im Kontext der anderen Künste. Warum wird das Theater als ein „spätes Kind“ der Renaissance bezeichnet? Inwieweit widersprechen Grundsätze der Baukunst, der Malerei und der Literatur, die das geistige Leben prägten, dem Wesen von Theater? Staats- und Repräsentationskunst, Theatralisierung des Lebens, Sozialutopien und die „ideale Stadt“, schliesslich verwirklicht auf dem Theater, werden ebenso angesprochen wie die Intermezzi, die Anfänge der Oper und die Bühnenformen der Renaissance.
Literatur:
Averlino Filarete, Antonio: Trattato di architettura. Hrsg. von Anna Maria Finoli und Liliana Grassi, Einführung und Anmerkungen von Liliana Grassi. Mailand 1972.
Campanella, Tommaso: Der Sonnenstaat. Berlin 1955.
Hagengruber, Anna Maria: Der humanistische Einfluss auf die florentinische Sacra Rappresentazione im 15. Jahrhundert, Diss. München 1980.
Hösle, Johannes: Das italienische Theater von der Renaissance bis zur Gegenreformation. Darmstadt 1984.
Ingegneri, Angelo: Della poesia rappresentativa e del modo di rappresentare le favole sceniche. Hrsg. von Maria Luisa Doglio. Modena 1989.
Morus, Thomas: Utopia. Stuttgart 1995.
Pochat, Götz: Theater und bildende Kunst im Mittelalter und in der Renaissance in Italien. Graz 1990.
Schöne, Günter: Die Entwicklung der Perspektivbühne von Serlio bis Galli-Bibiena nach den Perspektivbüchern. Leipzig 1933.
Sciolla, Gianni Carlo (Hrsg.): La città ideale nel Rinascimento. Scritti di Alberti, Filarete, Francesco di Giorgio Martini, Cataneo, Palladio, Vasari il Giovane, Scamozzi. Turin 1975.
Strong, Roy: Feste der Renaissance 1450-1650. Würzburg 1991.