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Institut für Theaterwissenschaft

Tanztheorie

Methoden der Tanzanalyse

Veranstaltungsdaten: 
Dienstag 16-18 (Beginn: 28.09.2010, Ende: 21.12.2010) Vorstellungsbesuche im Rahmen von Tanz In. Bern vom 20.10.2010 bis 14.11.2010 Als Übung: 3 ECTS, als Ba-Seminar: 5 ECTS
Beschreibung: 

Die tänzerische Bewegung stellt für die wissenschaftliche Analyse eine besondere Herausforderung dar. Sie entzieht sich der Fixierung und dadurch einer Schematisierung durch festgeschriebene Untersuchungsmethoden. Trotzdem entwickelt die Tanzwissenschaft Analyseverfahren, die den Spezifika von Tanz begegnen sollen. Wie kann der tanzende Körper im Rahmen der Aufführungsanalyse verortet und untersucht werden? Wie ist seine choreographische Inszenierung zu analysieren und wie bewegt er sich überhaupt? In der Übung untersuchen wir verschiedene Modelle zur Systematisierung von tänzerischer Bewegung, angefangen bei Susan L. Fosters «Reading Dancing» aus dem Jahr 1986. Ziel ist es, ein grundlegendes Instrumentarium zur Tanzanalyse zu erarbeiten. Deren Unzulänglichkeit soll dabei stets mitgedacht werden und nach Möglichkeit zur Diskussion von neuen Lösungsansätzen führen. Nebst einem Blick auf die historische Entwicklung werden wir die Verfahren kritisch diskutieren und in der praktischen Anwendung überprüfen. Vorgesehen sind hierzu Vorstellungsbesuche von Maguy Marin, Anna Huber, Thomas Hauert und Alain Platel, die im Rahmen des Festivals Tanz In. Bern in der Dampfzentrale gastieren.

Ein Ordner mit ausgewählten Texten wird zu Semesterbeginn bereitstehen.

Bewegungsforschung

Veranstaltungsdaten: 
Dienstag 14-18 Uhr, Sitzungen: 23.02. (Uni Bern), 02.03. (ZHdK Zürich), 09.03. (Uni Bern), 16.03. (ZHdK Zürich), 23.03. (Uni Bern), 30.03. 2010 (ZHdK Zürich), 2 SWS; Als Übung: 3 ECTS, als Ba-Seminar: 5 ECTS-Punkte. Ort: Von Roll 006.
Beschreibung: 

In der Geschichte des Modernen Tanzes führt Bewegungsforschung immer wieder zur Entdeckung neuen tänzerischen Materials. Während im Ausdruckstanz die Suche nach dem individuellen Bewegungsausdruck im Vordergrund stand, ist es Choreographen wie Merce Cunningham um variierbares Material jenseits einer persönlichen Einschreibung getan. In zeitgenössischen Tanzproduktionen schliesslich ist Forschung am und durch den Körper Thema der künstlerischen Auseinandersetzung selbst geworden. Als Methoden dienen den Künstler/innen in der Regel improvisatorische Verfahren. Durch körperliche Interaktion, durch Zufallsordnungen oder andere räumliche und zeitliche Strukturierungsvorgaben versuchen sie, das Bewegungsspektrum des tanzenden Körpers aufzusprengen. Entsprechend hat die Bewegungsforschung in der künstlerischen Praxis meist die Bewegungsfindung sowie die kritischen Befragung derselben zum Ziel. Die Tanzwissenschaft erforscht demgegenüber spezifische Bewegungsweisen, -formen und -techniken durch Beobachtung, Analyse und Interpretation. Sie untersucht, wie das zeitlich-flüchtige Phänomen der Bewegung aufgezeichnet, dargestellt und für die wissenschaftliche und künstlerische Arbeit archiviert werden kann. Die Übung möchte beide Herangehensweisen in produktiver Verbindung fruchtbar machen, indem praktische und theoretische Konzepte der Bewegungsforschung diskutiert und am eigenen Körper erprobt werden. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit Tina Mantel, Projektleiterin des Bachelor Tanz der Zürcher Hochschule der Künste statt, und wird als sechsteiliger Blockkurs abwechselnd in Bern und Zürich durchgeführt. Die Teilnehmenden sind selbst für die Organisation der Reise zuständig.

Literatur: 

Huschka, Sabine: Moderner Tanz. Konzepte – Stile – Utopien. Reinbek bei Hamburg 2002. Lampert, Friederike: Tanzimprovisation. Geschichte – Theorie – Verfahren – Vermittlung. Bielefeld 2007.
Laban, Rudolf von: Choreutik. Grundlagen der Raum-Harmonielehren des Tanzes. Wilhelmshaven 1991.

Hinweise: 

Anmeldung im ePUB/ePhi bis am 21. Februar 2010!

Virtuosität

Veranstaltungsdaten: 
Dienstag 10-12 (Beginn: 23.02.2010, Ende: 01.06.2010), 2 SWS, 6 ECTS-Punkte. Ort: Hauptgebäude 208.
Beschreibung: 

Der Virtuose gilt gemeinhin als meisterhafter Beherrscher seiner Metiers. Kritisch wird ihm aber – historisch immer wiederkehrend – auch etwa der „Effekt[] um jeden Preis“ unterstellt, er wird als geistlos oder gar als kunstfern bezeichnet. Im Seminar soll es um verschiedene Konzepte von Virtuosität gehen, um affirmative sowie um kritische. Dabei steht die Tanzkunst im Vordergrund: Spitzentänzerinnen, „Pirouettenschleudern“, „Sprungkönige“, „Crash-and-burn-dancers“ usw. Freilich werden aber auch Virtuositätsdebatten aus dem Schauspielbereich, der Musik usw. herangezogen. Der historische Schwerpunkt liegt dabei v.a. im 19. Jahrhundert, frühere und spätere (bis heutige) Diskurse sollen aber – je nach Fokus – ebenfalls Gegenstand der Diskussion sein. Je nach Angebot werden auch Aufführungen besucht.

Literatur: 

Ein Ordner mit ausgewählten Texten wird zu Beginn der Veranstaltung bereitstehen.

  • Arburg, Hans Georg von u.a. (Hg.): Virtuosität. Kult und Krise der Artistik in der Literatur und Kunst der Moderne. Göttingen 2006.
  • Brandstetter, Gabriele: »Die Szene des Virtuosen. Zu einem Topos von Theatralität«. In: Hofmannsthal-Jahrbuch. Zur europäischen Moderne. Freiburg i.Br. 10/2002. S. 213-243.
  • Roséri, Margitta: Erinnerungen einer Künstlerin. Ein Buch über die Tanzkunst. Hannover 1891.
  • SFB 447 Kulturen des Performativen. Teilprojekt B12: Die Szene des Virtuosen: http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/we07/forschung/sfb447/B12_die_szene_des_virtuosen/index.html (1.12.2009).
  • Thurner, Christina: Virtuosinnen am Limit – Zum Sport des weiblichen Körpers im zeitgenössischen Tanz. In: Freiburger GeschlechterStudien 23. Hrsg. v. Meike Penkwitt. Freiburg i. Brsg. 2009. S. 157-171.
  • Wiesel, Jörg: Zwischen König und Konstitution. Der Körper der Monarchie vor dem Gesetz des Theaters. Wien 2001.

Konzepttanz / Non Dance

Veranstaltungsdaten: 
Donnerstag 10-12 (Beginn: 25.02.2010, Ende: 03.06.2010), 2 SWS, 5 ECTS-Punkte. Ort: Hauptgebäude 214.
Beschreibung: 

Choreographische Kreationen, in denen das künstlerische Konzept im Vordergrund steht, ohne dass auf der Bühne im herkömmlichen Sinn getanzt wird, bezeichnet man seit einigen Jahren u. a. als ‚Konzepttanz’ oder ‚Non Dance’. Dieses junge Genre erscheint denn auch den einen als „das Ende von Tanzkunst“ (Schmidt 428) schlechthin, den anderen als Inbegriff des Zeitgenössischen. Dabei sind auch die Begriffe ‚Konzepttanz’ oder ‚Non Dance’ höchst umstritten. Was ist mit dem jeweiligen Begriff und dem, was er bezeichnet, gemeint? Wer verwendet ihn wie und in welchem ästhetischen bzw. theoretischen Sinne? Anhand von theoretischen Texten zum Thema sowie an ausgewählten Beispielen (etwa Kreationen von Jérôme Bel, Xavier Le Roy, Meg Stuart, Simone Aughterlony usw.) sowie – je nach Angebot – aktuellen Aufführungen sollen Konzepte des Konzepttanzes erfasst, überprüft, diskutiert und hinterfragt werden.

Literatur: 

Ein Ordner mit ausgewählten Texten wird zu Beginn der Veranstaltung bereitstehen.

Lektürevorschläge zur Vorbereitung:

  • Eiermann, André: Postspektakuläres Theater. Die Alterität der Aufführung und die Entgrenzung der Künste. Bielefeld 2009.
  • Foellmer, Susanne: Am Rand der Körper. Inventuren des Unabgeschlossenen im zeitgenössischen Tanz. Bielefeld 2009.
  • Husemann, Pirkko: Choreographie als kritische Praxis. Arbeitsweisen bei Xavier Le Roy und Thomas Lehmen. Bielefeld 2009.
  • Ploebst, Helmut: no wind no word. Neue Choreographie in der Gesellschaft des Spektakels. New choreography in the society of the spectacle. 9 Portraits: Meg Stuart, Vera Mantero, Xavier Le * Roy, Benoît Lachambre, Raimund Hoghe, Emio Greco/PC, João Fiadeiro, Boris Charmatz, Jérôme Bel. München 2001.
  • Schmidt, Jochen: Tanzgeschichte des 20. Jahrhunderts in einem Band. Mit 101 Choreographenporträts. Berlin 2002.
  • Schneider, Katja: Vom Verschwinden der Tanzkunst aus der Choreographie?. In: Reininghaus, Frieder; Schneider, Katja (Hg.): Experimentelles Musik- und Tanztheater. Handbuch der Musik im 20. Jahrhundert. Bd. 7. Laaber 2004. S. 363-366.
  • Siegmund, Gerald: Abwesenheit. Eine performative Ästhetik des Tanzes. William Forsythe, Jérôme Bel, Xavier Le Roy, Meg Stuart. Bielefeld 2006.
  • Siegmund, Gerald: Konzept ohne Tanz? Nachdenken über Choreographie und Körper. In: Clavadetscher, Reto; Rosiny, Claudia (Hgg.): Zeitgenössischer Tanz. Körper – Konzepte – Kulturen. Eine Bestandsaufnahme. Bielefeld 2007. S. 44-59.
  • tanzjournal 2/2004 (Schwerpunkt zum Konzepttanz).
Hinweise: 

Anmeldung im ePUB/ePhi bis am 21. Februar 2010!

Tanzgeschichte 3: Technik, Ausdruck, Rezeption

Veranstaltungsdaten: 
Montag 14-16 (Beginn: 22.02.2010, Ende: 31.05.2010), 2 SWS, 3 ECTS-Punkte. Ort: Hauptgebäude 114.
Beschreibung: 

Ausgehend von drei zentralen Begriffen – Technik, Ausdruck, Rezeption – sollen in der Vorlesung grundlegende Fragen zur Tanzkunst und -wissenschaft behandelt werden wie: Was ist überhaupt Technik im Tanz? Welche Rolle spielt die Technik bzw. spielen Techniken in der Definition, im Ausdruck, in der Wahrnehmung / Rezeption von Tanz? Wie verhält sich die jeweilige Technik zur Ästhetik der Tanzkunst und zu Bewegungs- bzw. Körpervorstellungen – historisch, kulturell, stilistisch? Wie wird Tanztechnik vermittelt, erlernt, ausgedrückt, auf die Bühne gebracht oder auch verweigert? Was versteht man (jeweils) unter ‚Ausdruck’ im Tanz? Wie wird er wahrgenommen? Und schliesslich: Inwiefern sind tänzerischer Ausdruck und Tanzrezeption vermittel- und theoretisierbar? Diese und weitere Fragen gilt es zu erörtern, anhand von Beispielen zu veranschaulichen und gegebenenfalls weiter zu hinterfragen. Dabei soll auch ein Einblick in wichtige Strömungen / Ereignisse der Tanzgeschichte vermittelt werden. Die Vorlesung geht nicht chronologisch vor, vielmehr springt sie je nach Fokus weiter in die Vergangenheit zurück, oder blickt auf unsere Jetztzeit. ‚Tanzgeschichte 3: Technik, Ausdruck, Rezeption’ ist der dritte Teil einer vierteiligen Vorlesungsreihe. Die einzelnen Teile können jedoch unabhängig voneinander und auch einzeln besucht werden.

Literatur: 

Lektürevorschläge freiwillig zur Vorbereitung:

  • Adshead-Lansdale, Janet; Layson, June (Hgg.): Dance history. An introduction. Second edition, revised and updated. London, New York 1994.
  • Anderson, Jack: Ballet & Modern Dance. A Concise History. Hightstown19922.
  • Blasis, Carlo: Traité élémentaire, théorique et pratique de l’ art de la danse. Mailand 1820.
  • Brandstetter, Gabriele: Tanz-Lektüren. Körperbilder und Raumfiguren der Avantgarde, Frankfurt a. M.
  • Caine, Debra; Mackrell, Judith: The Oxford Dictionary of Dance. New York 2002.
  • Carter, Alexandra: Rethinking Dance History. A reader. London, New York 2004.
  • Cramer, Franz Anton: In aller Freiheit. Tanzkultur in Frankreich zwischen 1930 und 1950. Berlin 2008.
  • Dahms, Sibylle (Hg.): Tanz. Kassel u.a. 2001.
  • Foster, Susan Leigh: Choreography & Narrative. Ballet’s Staging of Story and Desire, Bloomington 1996.
  • Gautier, Théophile: Écrits sur la Danse. Ausgew., präsent., komment.v. Ivor Guest. Arles 1995.
  • Huschka, Sabine: Moderner Tanz. Konzepte – Stile – Utopien. Frankfurt a. M. 2002.
  • Huschka, Sabine (Hg.): Wissenskultur Tanz. Historische und zeitgenössische Vermittlungsakte zwischen Praktiken und Diskursen. Bielefeld 2009.
  • Metzler Lexikon Theatertheorie. Hrsg. v. Erika Fischer-Lichte u.a. Stuttgart 2005.
  • Noverre, Jean Georges: Briefe über die Tanzkunst und über die Ballette. Übers. v. Gotthold Ephraim Lessing, Johann Joachim Christoph Bode. Faks. Hg. v. Kurt Petermann. Leipzig 1977 (=Documenta choreologica 15). Dt. Orig.: Hamburg, Bremen 1769.
Hinweise: 

Anmeldung im ePUB/ePhi bis am 21. Februar 2010!

Wissen macht Augen oder wie der Diskurs den Blick lenkt

Christina Thurner: Wissen macht Augen oder wie der Diskurs den Blick lenkt. In: Huschka, Sabine (Hg.): Wissenskultur Tanz. Historische und zeitgenössische Vermittlungsakte zwischen Praktiken und Diskursen. Bielefeld 2009, S. 225-237.

Ein Funke, der hinübertanzt. Zur Vorstellung bewegter Gefühle im Bühnentanz

Christina Thurner: Ein Funke, der hinübertanzt. Zur Vorstellung bewegter Gefühle im Bühnentanz. In: Fehr, Johannes; Folkers, Gerd (Hgg.): Gefühle zeigen. Manifestationsformen emotionaler Prozesse. Zürich 2009, S. 305-322.

Deklarationen über den Körper. William Forsythes Performance-Installation Human Writes

Christina Thurner: Deklarationen über den Körper. William Forsythes Performance-Installation Human Writes. In: Annette Stahmer (Hg.): Body of the Voice / Stimmkörper. In: Parole # 1/. 2009, S. 82-88.

Körpergedächtnis – Tanz als Archiv

Veranstaltungsdaten: 
Montag 12-14 Uhr (Beginn: 14.09.2009; Ende: 14.12.2009), 2 SWS, 5 ECTS-Punkte. Ort: Hauptgebäude, HS 214.
Beschreibung: 

Jede Aneignung von Bewegungsmustern, Schritten und Techniken operiert mit dem Erinnerungsvermögen des Körpers und seinem kinästhetischen Gedächtnis. Dieses speichert das Gelernte und macht es als verkörpertes Wissen verfügbar (wobei zum Erinnern auch das Auslöschen, Vergessen und Verdrängen gehören). Das Körpergedächtnis kommt also zunächst im Zusammenhang mit dem Einüben von Tanztechniken und dem Memorieren und (De-)Aktivieren von Bewegungsabläufen zum Tragen. Dabei werden immer auch Erinnerungsspuren gelegt, die den (Tänzer-)Körper in seiner kulturellen Ausformung überhaupt erst hervorbringen. Im tanzenden Körper steckt demnach ein bestimmtes Wissen, ein Archiv von Erfahrungen, das wiederum geprägt ist von der kulturellen Situation und ihren Diskursen, in denen es sich herausgebildet hat. Dieses biologische, biographische, individuelle und kollektive Körpergedächtnis soll anhand verschiedener theoretischer Positionen diskutiert und an Beispielen von Wim Vandekeybus, Martin Nachbar und William Forsythe veranschaulicht werden. Eine praktische Sitzung wird sich zudem der Gedächtnisleistung des eigenen Körpers widmen.

Literatur: 
  • Mauss, Marcel: Die Techniken des Körpers, in: ders: Soziologie und Anthropologie 2. Frankfurt a. M. 1989, S. 197-220.
  • Öhlschläger, Claudia / Wiens, Birgit (Hg.): Körper – Gedächtnis – Schrift. Der Körper als Medium kultureller Erinnerung. Berlin 1997.
  • Siegmund, Gerald: William Forsythe – Denken in Bewegung. Berlin 2004.

Ein Ordner mit ausgewählten Texten wird zu Semesterbeginn bereitstehen.

Perspektiven einer zeitgenössischen Tanzpädagogik. Modelle – Zugänge – Analysen

Veranstaltungsdaten: 
Dienstag 12-14 (Beginn: 15.09.2009, Ende: 15.12.2009), 2 SWS, 5 ECTS-Punkte. Ort: Hauptgebäude, HS 214.
Beschreibung: 

Vor dem Hintergrund einer technologisch geprägten Körper- und Bewegungskultur, die erfahrungsarm und zugleich erlebenshungrig von Wünschen nach strahlender Präsenz, nach ungebrochener Identifikation und nach authentischer Erfahrung geprägt ist, widerfährt nunmehr den kulturellen Praktiken von Tanz ein bildungspolitischer Aufwind. Tanz zu unterrichten wird bedeutsam. Denn gemäß kultureller und bildungsrelevanter Annahmen verspricht das Medium Tanz einen lustbetonten und selbstbestimmten Umgang mit sich und seinem Körper. Angewandt etwa im Schulalltag verbindet sich die Annahme, mit Tanz ließe sich leichter, besser und effektiver lernen. Dennoch lassen sich markante Uneindeutigkeiten über pädagogische, didaktische und ästhetische Annahmen und Profile einer zeitgenössischen Tanzpädagogik erkennen. Was Ästhetische Bildung im Tanz ausmacht, ist bislang eher unbestimmt. Stattdessen arbeiten Tanzpädagogiken oft mit einem „ästhetischen Versprechen“, das von der allgemeinen Pädagogik längst einer kritischen Revision unterzogen wurde. Prozesse der Selbstbildung, Reflexionskompetenz und Formen sinnlicher Bezugnahme zur Welt werden unterschiedlichst gehandhabt, ästhetisch ausgedeutet und theoretisiert. Auf der Grundlage aktueller Tanz-Projekte und ihrer filmischen Dokumentation (etwa Rhythm is it) sowie aktueller und historischer Konzepte über Ästhetische Bildung (u.a. aus den Bereichen der Theater- und Kunstpädagogik) sucht das Seminar einen analytischen Blick auf Modelle, Praktiken und Diskursfiguren über Tanz als kulturbildende Praxis zu entwickeln. Formen und Möglichkeiten einer zeitgenössischen Tanzpädagogik werden befragt. Eigene Erfahrungen im TanzUnterrichten sind willkommen, um deren Konzepte u.a. zu reflektieren.

Literatur: 
  • Albrecht, Cornelia / Cramer, Franz Anton (Hg.): Tanz [Aus] Bildung. Reviewing Bodies of Knowledge. München: ePodium Verlag 2006.
  • Blohm, Manfred (Hg.): Über ästhetische Forschung : Lektüre zu Texten von Helga Kämpf-Jansen. München: kopaed 2006 (Kontext Kunstpädagogik ; 5).
  • Ehrenspeck, Yvonne: Versprechungen des Ästhetischen: die Entstehung eines modernen Bildungsprojekts. Opladen: Leske + Budrich 1998.
  • Franke, Annette: Aktuelle Konzeptionen der Ästhetischen Erziehung. München: Martin Meidenbauer Verlagsbuchhandlung 2007.
  • Hentschel, Ulrike: Theaterspielen als ästhetische Bildung : über einen Beitrag produktiven künstlerischen Gestaltens zur Selbstbildung. Weinheim: Dt. Studien-Verl. 1996.
  • Huschka, Sabine: Sich-Bewegen. Grundzüge ästhetischer Erfahrung. In: Claudia Fleischle-Braun; Ralf Stabel (Hg.): Tanzforschung & Tanzausbildung. Berlin: Seemann Henschel Verlag 2008, S. 176-182.
  • Schneider, Katja: Alle Kinder tanzen gern: wie Tanzen Kinder fördert und erfüllt. Wiesbaden: Beust 2004.
Hinweise: 

Anmeldung im ePUB/ePhi bis am 13. September 2009!

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