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Institut für Theaterwissenschaft

Die „Rolle“ des Körpers im theatralen Spiel

Forschungsbereich im ProDoc ‚Intermediale Ästhetik. Spiel – Ritual – Performanz’

Theater und erst recht Tanz auf der Bühne konstituiert sich – zu einem grossen Teil – aus den Aktionen von Körpern im Raum. Dabei stehen diese Körper für theatrale Figuren, sie ‚verkörpern’ oder ‚re-präsentieren’ Rollen, oder aber sie bringen Handlungen, Stimmungen und Narrationen performativ erst hervor. Eine „natürliche“ materielle Existenz des Körpers wird insbesondere in der Theater- und Tanzwissenschaft sowie in der postmodernen Bühnenpraxis verneint. Stattdessen wird immer wieder aufs Neue demonstriert, dass Körper Konstrukte sind, die sich erst durch bestimmte Verfahren materialisieren, also nicht anthropologisch essentialistisch gegeben sind, sondern ständig kulturell hervorgebracht, vor- oder aufgeführt beziehungsweise geformt werden. Das jeweilige Körperkonzept schreibt sich im Tanz- und Schauspieltraining auf der Oberfläche des Körpers ein, ja es formt buchstäblich den Körper, den wir nachher in seiner Materialität als vermeintlich „natürlich“ wahrnehmen – auch auf der Bühne. Das Phänomen der Physis auf der Bühne ist also keineswegs überhistorisch und universell, sondern stets auch abhängig von kulturell und zeitlich geprägten Repräsentations-, Präsentations- oder Inszenierungs- und Wahrnehmungskonventionen. Die Inszenierungen des Körpers auf der Bühne sollen demzufolge in diesem Projekt begriffen werden als Re-Präsentationen der kulturellen Muster, die wiederholt, bestätigt oder aber hinterfragt werden. Dabei wird unter verschiedenen Gesichtspunkten gefragt, inwiefern und wie das Theater / der Tanz durch die Inszenierung der Körper auf der Bühne auf jeweils „natürlich“ scheinende Körpervorstellungen verweist beziehungsweise über sie hinausweist, wobei die These lautet, dass diese Verweise von der mimetischen Wiederholung solcher Vorstellungen bis hin zur Reflexion und zur Deformierung festgeschriebener Modelle reichen.

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