Angewandte Theaterwissenschaft fragt: Wie viel Theater gibt es in Bern? Mehr oder weniger als in anderen europäischen Städten vergleichbarer Grösse? Die politische Hauptstadt ist nicht die Theaterhauptstadt der Schweiz. Trotzdem verfügt die Agglomeration Bern über ca. 200 Spielstätten. Vom Stadttheater über die alternative Kellerbühne bis zum Saal im „Bären“ oder „Hirschen“. Was wird alles gespielt? Wer finanziert, wer produziert und wer besucht diese Vorstellungen?
Eine Bestandesaufnahme soll erstellt werden, quantitativ und qualitativ. Wir wollen – zum ersten Mal – belegen, wie gross das Angebot und die Nachfrage tatsächlich sind: Wie viele Vorstellungen von wie vielen Produktionen für wie viele Zuschauer? Und wir wollen mittels Befragungen herausfinden, warum das Publikum kommt und wie zufrieden es wieder geht.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars erarbeiten gemeinsam einen Beitrag, der in die europäische Forschung einfliesst. Der Städtevergleich ist ein Projekt (City Project) von STEP, einer Forschergruppe, welche die Theatersysteme kleinerer Länder Europas untersucht. STEP-Nationen sind Irland, die Niederlande, Dänemark, Estland, Ungarn, Slowenien und die Schweiz. Die Fragen, die wir an die Berner Theater stellen, nehmen einerseits Rücksicht auf die landesspezifischen Eigenheiten, andererseits sind sie kompatibel mit dem Fragenkatalog der anderen beteiligten Städte, damit die Vergleichbarkeit gewährleistet ist.
Dieses Seminar verlässt den Hörsaal. Es forscht vor Ort, im Speziellen da, wo Theater passiert. Abendeinsätze sind vorgesehen. Das Seminar will studentische Forschung in der Praxis ermöglichen. Das ganze Inventar wird einen Zeitraum von zwölf Monaten abdecken, weiterführende Arbeiten von Studierenden sind deshalb erwünscht.
Ein Ordner mit ausgewählten Texten wird zu Beginn der Veranstaltung bereitstehen.