Das internationale Forschungsvorhaben „Project on European Theatre Systems“ (STEP) geht auf eine Initiative von Prof. Dr. Hans van Maanen (Groningen) und Prof. Dr. Andreas Kotte (Bern) zurück. Gezielt wird der Vergleich der Theatersysteme kleinerer europäischer Länder angestrebt, weil Untersuchungen zu den grossen „Theaternationen“ (F, I, D, GB) bisher die gesamte Forschung zum Theaterwesen dominieren. Erkenntnisse zum Theater kleinerer Staaten werden oft aus Studien zu jenen kulturell massgebenden Ländern nur abgeleitet, wie das Projekt „Theatre Worlds in Motion“ (in Buchform Amsterdam 1998) erwies, an dem beide Initianten beteiligt waren. Am jetzigen Forschungsprogramm nehmen sieben europäische Länder teil.
Die Mitarbeitenden treffen sich jährlich zu einem Symposium in einem der beteiligten Länder (Groningen 2005, Bern 2006, Debrecen 2007, Groningen und Tartu 2008, Lissabon 2009, Groningen 2010). Das Hauptgewicht dieser Treffen liegt beim wissenschaftlichen Austausch innerhalb der ganzen Gruppe. Doch daneben soll auch die Möglichkeit bestehen zur bilateralen Kommunikation und zur Netzbildung zwischen jungen Forscherinnen und Forschern.
Die Ergebnisform wird in Büchern (auch veröffentlichten Dissertationen) in allen beteiligten Ländern bestehen, die aber – und dies erbringt den wesentlichen Erkenntniswert – Bezug nehmen auf die Studien der anderen Länder, aufzeigen, wie das spezielle Problem dort (besser oder schlechter) gelöst wird.
Im Juli 2009 ist eine erste gesamthaft vergleichende Publikation der Gruppe mit dem Titel Global Changes - Local Stages. How Theatre Functions in Smaller European Countries erschienen:
"Global Changes - Local Stages investigates the relationships between what happened the last twenty years on the ‘world stage’ and how theatre life developed on the local level. The subject has been approached from three different angles, each covered by one part of the book: “The Effects of Social Changes on Theatre Fields”, “Values in Theatre Politics” and “Localization of Theatrical Values”. The group of authors tries to find the links between these three areas. The book profits from the fact that the authors come from two sides of the former ‘Wall’. Twenty years after its fall, the transitional processes in countries of the former ‘Eastern Bloc’ can be compared, not only mutually, but also with the changes in the Western part of Europe. With its 537 pages Global Changes - Local Stages is the most extensive research of the possible relationships between cultural change, theatre politics and theatre life in smaller European countries."
Forschungsthemen für Studierende
Die heutige Theaterlandschaft der Schweiz soll in ihrem Beziehungsreichtum erfasst werden. Die «Beiträge für eine Kulturpolitik in der Schweiz» – der so genannte Clottu-Bericht – sind 1975 erschienen. Bis jetzt ohne Nachfolge. Das heisst, es klafft eine Lücke von über dreissig Jahren. Das Institut für Theaterwissenschaft (ITW) der Universität Bern hat sich vorgenommen, diese Lücke zumindest für den Bereich Theater zu schliessen. Das Forschungsprojekt mit dem Titel „Das Theater der Schweiz“ zielt auf eine umfassende Bestandesaufnahme und Erforschung der heutigen Theaterlandschaft. Verschiedene Themengebiete werden exemplarisch untersucht, und miteinander vernetzt ergeben die einzelnen Studien (Dissertationen, Lizentiats- und Masterarbeiten) ein Bild vom „Theater der Schweiz“, wie die übergreifende Publikation heissen wird.
Das Neue des Projekts liegt in der erstmaligen Zusammenschau aller Theaterformen und der Analyse ihrer Beziehungen untereinander. Denn in der Schweiz lässt sich die Funktion von Theater in der Gesellschaft nur vom Gesamtangebot an Theaterformen her erschliessen, weil das Theater ausserhalb der grossen Stadttheater mehr als doppelt so viele Theaterbesuche auf sich vereinigt. Das Projekt erhellt vergleichend, in welchem der drei Aggregatzustände Koexistenz, Konkurrenz oder Interdependenz sich die drei Theaterformen (Stadttheater, Freie Gruppen, Amateurtheater) jeweils bewegen.
Nutzniesser des Projekts sind einerseits die Theater, denen Alternativen zu historisch gewachsenen Organisationsstrukturen aufgezeigt werden, und andererseits Gemeinden und Kantone, die als Subventionsgeber zum ersten Mal eine wissenschaftliche Studie zur Kausalität von Ausgaben, Organisationsformen, künstlerischem Output und Publikumsverhalten erhalten. Das Projekt wird unterstützt vom Schweizerischen Nationalfonds.
Kontaktperson: Prof. Dr. Andreas Kotte