Renaissancestudien greifen oft auf Theaterinszenierungen zurück, um Bewegungen in der europäischen Kultur- und Geistesgeschichte zu veranschaulichen. In der Regel wird dabei ausser Acht gelassen, wie sehr theatrale Praktiken im 16. Jahrhundert strategisch zur Propagierung eines ganz bestimmten Menschenbildes vereinnahmt wurden. Wie sehr es sich um eine offizielle Kultur handelte, die sich anschickte, den zivilisatorischen Fortschritt mit einer umfassenden Hierarchisierung der Schöpfung zu begründen. Und damit geht vergessen, dass sich parallel dazu andere künstlerische Ausdrucksformen ausbildeten, die sich von gegenteiligen Grundpositionen her dem Glauben an ein kommendes Geschlecht der sich die Natur endgültig untertan machenden Übermenschen widersetzten.
Die Commedia dell’arte bzw. all’improvviso gehört zu diesen zeitspezifischen Kunstformen und bildet sich im Brennpunkt der in der Instrumentalisierung scheiternden Visionen des Humanismus heraus. Sie entwickelte sich parallel zum Versuch, den Menschen aufgrund seiner Ratio als Krone der Schöpfung zu verklären und ihn in der Kunst entsprechend schön und herrlich abzubilden.