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Institut für Theaterwissenschaft

Sebastian Hauck M.A.

Commedia dell’arte und Oper

Veranstaltungsdaten: 
Montag 12-14 (Beginn: 22.09.2008, Ende: 15.12.2008), 2 SWS, 5 ECTS-Punkte. Ort: Hauptgebäude, 215.
Beschreibung: 

Ausgehend von einer historisierend-kritischen Betrachtung des Opernbegriffs widmet sich das Seminar der gemeinsamen Geschichte von Commedia all’improvviso und Oper, der „two most typical forms of Italian theater“ (Nino Pirrotta), von der Mitte des 16. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Dabei soll Oper als ein Teil von Theatergeschichte begriffen und auf der methodischen Basis von Theatergefügen ins Verhältnis zur Commedia all’improvviso gesetzt werden. Es werden ebenso die vermeintlichen „Vorläufer“ der Oper angesprochen wie Madrigalkomödie oder die Intermedien beim Florentiner Hoffest 1589 wie der Übergang der Wahnsinnszene von den virtuosen Darbietungen der Commedia all’improvviso zur venezianischen Oper. Weitere Schwerpunkte des Seminars bilden die Opernparodien des Ancien und Nouveau Théâtre Italien sowie die Opern/Singspiel-Experimente des Wiener Schauspielers und Impresarios Joseph Felix von Kurz-Bernardon.

Literatur: 

Ein Ordner mit ausgewählten Texten steht zu Beginn der Veranstaltung bereit.

  • Pirrotta, Nino: „Commedia dell’Arte and Opera.“ In: The Musical Quarterly, 61. Jg. (1955), S. 305 - 324.
  • Charton, Anke: „Ich wollt’, ich wär’ ein Mädchen!“ Genderverkehrung in der Oper zwischen Strukturfigur und Travestie.“ In: Haider-Pregler, Hilde et al. (Hg.): Komik. * Ästhetik – Theorien – Strategien. (Maske und Kothurn; Bd. 51,4). Wien 2006, S. 392 - 400.
Hinweise: 

Anmeldung im ePUB/ePhi bis am 14. September 2008!

Humanitas und Zivilisation

Renaissancestudien greifen oft auf Theaterinszenierungen zurück, um Bewegungen in der europäischen Kultur- und Geistesgeschichte zu veranschaulichen. In der Regel wird dabei ausser Acht gelassen, wie sehr theatrale Praktiken im 16. Jahrhundert strategisch zur Propagierung eines ganz bestimmten Menschenbildes vereinnahmt wurden. Wie sehr es sich um eine offizielle Kultur handelte, die sich anschickte, den zivilisatorischen Fortschritt mit einer umfassenden Hierarchisierung der Schöpfung zu begründen. Und damit geht vergessen, dass sich parallel dazu andere künstlerische Ausdrucksformen ausbildeten, die sich von gegenteiligen Grundpositionen her dem Glauben an ein kommendes Geschlecht der sich die Natur endgültig untertan machenden Übermenschen widersetzten.

Die Commedia dell’arte bzw. all’improvviso gehört zu diesen zeitspezifischen Kunstformen und bildet sich im Brennpunkt der in der Instrumentalisierung scheiternden Visionen des Humanismus heraus. Sie entwickelte sich parallel zum Versuch, den Menschen aufgrund seiner Ratio als Krone der Schöpfung zu verklären und ihn in der Kunst entsprechend schön und herrlich abzubilden.

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