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Institut für Theaterwissenschaft

Prof. Dr. Stefan Hulfeld

Theatergeschichtsschreibung als kulturelle Praxis – Cover

Theatergeschichtsschreibung als kulturelle Praxis

Materialien des ITW Bern 8

Wie Wissen über Theater entsteht

Nicht erst seit es Theaterwissenschaft als Universitätsdisziplin gibt, reflektieren Intellektuelle die ethische und ästhetische Verfasstheit der Kultur an Hand von Theater. Ob dabei nun Bühnenarchitektur, Dramenliteratur oder tatsächlich szenische Vorgänge thematisiert wurden, Theater interessierte gerade in seiner Zwiegestalt, die gesellschaftliche Fragen zu künstlerischen macht und umgekehrt.

Die vorliegende Studie untersucht, wie und zu welchen Zwecken Wissen über Theater gesammelt, organisiert und eingesetzt wurde, wie die Textsorte Theatergeschichte entstand, die das Selbstverständnis der universitären Theaterwissenschaft bei deren Herausbildung prägte.

Zuerst werden Reiseberichte, Poetiken und Antitheaterschriften des 16. und 17. Jahrhunderts als Entwicklungsfelder theaterhistorischen Denkens beschrieben. Dann wird als Schlüsselfigur des Theaterdiskurses im 18. Jahrhundert der Schauspieler und Theaterdirektor Luigi Riccoboni problematisiert, der mit seinen breit rezipierten Réflexions historiques et critiques sur les différens théâtres de l'Europe zur kulturvergleichenden Leistungsschau ansetzte.

Von der in diesem Kontext entwickelten Reformtheaterhistoriographie, die ein die Gesellschaft verbesserndes Idealtheater zum Fluchtpunkt ihrer Fortschrittsgeschichte machte, fällt der Blick schliesslich auf ausgewählte Versuche, im 20. Jahrhundert Theatergeschichtsschreibung wissenschaftlich zu fundieren.

Die genetische Methode des Historismus rückt dabei ebenso ins Zentrum des Interesses wie die durch ihre Komplexität immer noch in Entwicklung begriffenen kulturgeschichtlichen Ansätze von Ludovico Zorzi („Theater und Stadt“) und Rudolf Münz („Theatralität“).

Erstmals liegt mit diesem Buch eine Geschichte der Theaterhistoriographie vor. Sie verortet Theaterwissenschaft als historische Disziplin neu.

Zähmung der Masken, Wahrung der Gesichter – Cover

Zähmung der Masken, Wahrung der Gesichter

Theatrum Helveticum 7

Theater und Theatralität in Solothurn 1700–1798

Reformierte oder kulturkritische Ablehnung der Schauspiele prägt bis heute das Bild vom schweizerischen Theater des 18. Jahrhunderts, das nun durch eine Studie über das katholische Solothurn ergänzt und erschüttert wird. Die umfangreiche Materialedition zu Ritus, Fest, Zeremonie sowie zu Aufführungen von Wandertruppen, Jesuiten und Bürgern stellt Allgemeinwissen zum «Theater der Aufklärung» in Frage. Zu den Komödien gehören hier auch Gaukler, Taschenspieler, Seiltänzer, Marionetten, Prozessionen und selbstverständlich die Wanderärzte – ein zeitgenössischer Theaterbegriff wird reaktiviert und heutiger Forschung vorgeschlagen.

Maske. Praktiken und Theorien

Veranstaltungsdaten: 
Einführung und Vorbesprechung am Freitag, 02. Oktober 2009, 14:15-18:00. Erster Block: Donnerstag, 5. November, 12-18 und Freitag, 6. November, 10-18. Zweiter Block: Donnerstag, 26. November, 12-18 und Freitag, 27. November, 10-18. 5/6/7 ECTS-Punkte (für Studierende Ba, Ma und Liz/HS). Ort: ITW, HS 204.
Beschreibung: 

Masken gehören zunächst in den Bereich ritueller Praktiken und werden in Europa parallel zur Formulierung christlich-humanistischer Menschenbilder zu einem höchst widersprüchlichen Problem der modernen Theaterentwicklung. Während professionelle Spielerinnen und Spieler (etwa der italienischen Commedia) auf Masken als einem grundlegenden Prinzip zur Verhandlung existenzieller Fragen rekurrieren, verteufeln Akademiker und Geistliche Masken als größte Gefahr für ihr Identitätsideal. Einem Theater der Masken steht fortan ein Theater der Identität gegenüber. Das Seminar thematisiert Maske als Prinzip der Differenz, das fundamentale Gegensätze (Leben/Tod, Leib/Seele, Mensch/Tier, Freiheit/Unterdrückung, Subjekt/Objekt etc.) spielerisch zu pointieren vermag. Das exemplarische Studium unterschiedlicher theatraler Praktiken, die sich des Maskenprinzips bedienen, dient als Ausgangspunkt für die Reflexion desselben in kulturgeschichtlichen und theoretischen Kontexten.v

Hinweise: 

Anmeldung im ePUB/ePhi bis am 13. September 2009!

Humanitas und Zivilisation

Renaissancestudien greifen oft auf Theaterinszenierungen zurück, um Bewegungen in der europäischen Kultur- und Geistesgeschichte zu veranschaulichen. In der Regel wird dabei ausser Acht gelassen, wie sehr theatrale Praktiken im 16. Jahrhundert strategisch zur Propagierung eines ganz bestimmten Menschenbildes vereinnahmt wurden. Wie sehr es sich um eine offizielle Kultur handelte, die sich anschickte, den zivilisatorischen Fortschritt mit einer umfassenden Hierarchisierung der Schöpfung zu begründen. Und damit geht vergessen, dass sich parallel dazu andere künstlerische Ausdrucksformen ausbildeten, die sich von gegenteiligen Grundpositionen her dem Glauben an ein kommendes Geschlecht der sich die Natur endgültig untertan machenden Übermenschen widersetzten.

Die Commedia dell’arte bzw. all’improvviso gehört zu diesen zeitspezifischen Kunstformen und bildet sich im Brennpunkt der in der Instrumentalisierung scheiternden Visionen des Humanismus heraus. Sie entwickelte sich parallel zum Versuch, den Menschen aufgrund seiner Ratio als Krone der Schöpfung zu verklären und ihn in der Kunst entsprechend schön und herrlich abzubilden.

Theaterhistoriographie als kulturelle Praxis

Theatergeschichtsschreibung ist keine zwingende Folge von Theaterpraxis, vielmehr ist sie als Literaturgattung zu verstehen, in welcher ein bestimmtes kulturpolitisches Engagement anhand ausgewählter Monumente der Kulturgeschichte innerhalb traditioneller rhetorischer Grundmuster bzw. Darstellungsformen der Wissenschaft artikuliert wird.

In diesem Sinn untersucht das Forschungsprojekt Theatergeschichtsschreibung als kulturelle Praxis und unternimmt damit den erstmaligen Versuch, die Geschichte der Theaterhistoriographie über die Grenzen ihrer universitären Institutionalisierung hinaus zu beschreiben, zu bewerten und hinsichtlich der Planung künftiger Forschung auszuwerten.

Die Topoi, Grundmuster und Wertungskriterien der Theatergeschichtsschreibung ent­wickelten sich vornehmlich während des 16. und 17. Jahrhunderts in drei Literaturformen. Erstens in Reiseberichten, zweitens im poetologischen Diskurs und drittens im Moraldiskurs. Parallel zur Herausbildung des bürgerlichen Theatermodells münden im 18. Jahrhundert diese drei Diskurse in explizite Theatergeschichtsschreibung und zwar nahezu gleichzeitig in ganz Europa.

Szenische Vorgänge beschreiben und strukturieren

Veranstaltungsdaten: 
Donnerstag 16-18 (Beginn: 30.03.2006, Ende: 29.06.2006)
Beschreibung: 

In der Übung werden Inszenierungen der im Grundkurs analysierten Dramen in Videoaufnahmen gezeigt und verglichen. Zudem wird das Beschreiben und Strukturieren szenischer Vorgänge anhand praxisorientierter Fragestellungen geschult.

Der Besuch der Übung im Anschluss an den Grundkurs ist obligatorisch und kann nicht in einem anderen Semester vor- bzw. nachgeholt werden. Bewertung: Klausur.

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